Alleinerziehend ist wie Corona

Ich leide nicht allzu sehr an all den Coronabeschränkungen.

Es sind nur, neben der erhöhten Herausforderung ans Lebens für die Alleinerziehende, das Level nochmals zu steigern.

All all die Coronasorgen, die jetzt mehr Menschen der Bevölkung treffen, kenn ich/ wir Alleinerziehenden  schon seit  Jahren.
Deswegen, das wissen jetzt alle, wird es schwieriger, je länger es dauert.
Oder muss jetzt doch noch jemand fragen : WIIIIeSSSOOOO?

N halbes Jahr, ein Jahr, auch 2, locker, ganz easy, aber lass es mal 4,5,7 sein. Da kommen noch ganz andere Faktoren dazu, die ihr Corona-Betroffenen (noch) nicht umreissen könnt, nach nur einem Jahr mit Sommerpause.

Was hat uns Corona sozial beschert?

  • Isolation, Freundschaften werden schwieriger
  • wirtschaftliche Ängste, finanzielle Einbussen,                  Jobverlust
  • Ausgangssperren, Verlust an Freiheiten, Hobbies, etc.
  • gesundheitliche Sorge
  • Gerieztheit, genervt sein von den Umständen wie Maske, fehlenden Ausgleich in der Freizeit, etc.
  • psychische Auffälligkeiten durch all die Massnahmen
  • vermehrte Verschiebung aller Aufgaben in der Familie hin zur Frau, vermehrte Belastung
  • grössere Belastung aller Familien durch Homeschooling, Schliessung von Kigas, etc.

 

All das hat mich schon vor 8 Jahren getroffen als ich alleinerziehend wurde:

  • Isolation, durch Zeitmangel, Aufbau neuer Freundschaften sehr schwierig, auch das Pflegen vorhandener Freundschaften
  • Job konnte ich wegen Schichtdienst ohne Betreuung nicht mehr wie gewohnt weiterführen. Jobverlust. Arbeitslosigkeit. Schwierigkeiten kinderkompatiblem Job in der Pflege! zu finden.
  • grosse finanzielle Einbussen durch Jobschwierigkeiten
  • alleinerziehen ist der Verlust an eigenen Hobbies und Einschränkung eigener Freiheiten selbstverständlich, natürlich abhängig vom Alter der Kinder
  • durch die vermehrte Belastung haben viele Alleinerziehende körperliche und/oder psychische Beschwerden
  • gewohnter Hort etc. fällt manches mal auch weg, wenn das Geld nicht reicht
  • der fehlende Friseur scheint einige Frauen kurz vor den Suizid zu treiben und die geschlossenen Restaurants die Paare. Da bin ich ja froh nur 2x im Jahr Zeit für Frisuer zu haben und ebenso für Restaurantbesuche, da fällt das Fehlen gerade gar nicht auf, hatte schon 8 Jahre Zeit mich daran zu gewöhnen.

Aber die Meisten, scheinen, laut medialer Berichte, am Ende…….

Was sollen wir da sagen?

Viele von uns betreiben das seit Jahren.

Und dann wundern sich viele, dass wir auf dem Zahnfleisch gehen?

Ich musste damals schnell und effektiv umorganisieren. Ich hatte da auch nicht sooooo den Bock drauf- aber es hat mich halt einfach getroffen.
Ich musste mein Leben umstrukturieren ohne, dass ich Lust darauf hatte.
Aber notwendig.

So hat jeder sein Päckchen zu tragen, der eine ein Grösseres, der andere ein Kleineres.

 

Mir sagte man damals, dann müsse ich eben umziehen, kleinere Wohnung, anderen, billigeren Wohnort, Kinder in ein Zimmer, Campingbus verkaufen, zur Not zu Aldi, Regale einräumen, im Urlaub zur Oma fahren und und und.

Wenn ich mir das jetzt erlaube, bei einer wirtschaftlich betroffenen Corona Familie die gleichen Vorschläge zu bringen…….werden sie mich hassen:

Konkurs, arbeitslos wegen Corona?

Ist doch nicht so schlimm, ihr schafft das schon.
Geht ihr beide in die Pflege, die haben genug Arbeit.
Wie ihr könnt das nicht? Das ist jetzt gefragt! Es geht darum Geld zu verdienen, nicht, was man möchte oder nicht! also bitte. Gerad in der Altenpflege gibts überall Arbeit.

Weniger Einkommen jetzt?
Einfach umziehen, billigere Wohngegen, kleinere Wohnung. Wie kein Geld für Umzug? habt ihr zu zweit nichts sparen können?
Wie, das wollt ihr nicht?
Äussere Umstände bedürfen eben aussergewöhnlicher Umorganisation. Auch ohne Lust. Einfach aus Notwendigkeit heraus. Da hilft kein jammern und kein Schimpfen und auch der Hass bringt einen nicht weiter. Das Bewusstsein über Ungerechtigkeiten macht einen nur noch unzufriedener.
Isolation? Verlust von Hobbies und Freizeit?
Das kommt doch wieder!!!! und ihr müsst wahrscheinlich nicht mal ein paar Jahre darauf warten.

Die Kinder sind anstrengend 24/7? na ja, ihr seid doch zu Zweit, könnt Euch abwechseln.

Homeschooling eine Herausforderung? Ja, meine beiden auf dem Gymnasium hatten schon so viel Hausauggaben und Lernbedarf, dass meine Zeit für beide nicht ausreichte. Das gab Stress mit der Le(h)rkörperkraft:“ Wir haben ja noch mehr Alleinerziehende, die das schaffen.“ (wie kann man alle gleichstellen? ist alleinerziehend gleich alleinerziehend?)
Mir wurde dann gesagt; dann schickst jetzt halt deine Kinder auf eine andere Schule.
Also bitte, wenn das Eure Kinder nicht schaffen: äussere Umstände haben sich geändert, ihr schafft es nicht adequate Hilfestellung zu geen= dann sucht eure  Kinder einfach eine andere, leichtere Schule.
Selbst wenn in Coronazeiten nun einer von beiden mehr arbeiten muss und einer alles zuhause wuppen muss. Es ist immer eine Ressource da.
Wir machen das immer alleine: Fragt noch einer warum ich müde aussehe?- ist normaler Alltag für Alleinerziehende.
Auch wenn der Hort schliesst, oder einer muss in Quarantäne, sind 2 da, von dem einer seinen Job stoppt, sei es durch Sonderurlaub, kinderkrank. etc, und betreuen kann.
Alleine geht das nicht. Da sind kulante Arbeitgeber gefragt, nicht nur eine zeitlang, sondern dauerhaft!
Karriere ade, man wird alleinerziehend sowieso vom high zum low performer Arbeitnehmer.

Und bei allem Corona: ihr könnt ja zu zweit jederzeit raus, alleine, und um den Block rennen.

Wenn ich das alles so einer stark sozial und wirtschaftlich betroffenen Familie sagen, bin ich, glaube ich, des Todes. Ich musste mir das alles nicht nur einmal anhören. Über die Jahre auch immer wieder, ich sei zu anspruchsvoll. Dabei versuche ich nur den Lebensstandart zu halten.

Alleinerziehend muss man das wohl schlucken, zusätzlich zu allem.
Halbwegs das Gewohnte zu erhalten steht einem gesellschaftlich nicht zu.

 

Zu bemerken ist:

Corona bringt viele Umstände mit sich, die wir jetzt zusätzlich tragen:

  • erkämpfte, kinder kompatible Jobs werden noch schwieriger
  • wir brauchen noch kulantere Arbeitgeber als sowieso schon
  • wir haben noch mehr schulische Aufgaben zu betreuen; zusätzlich 100% funktionierende Technik vorausgesetzt; vermehrte Lehrerkommunikation
  • zusätzliche Gesundheitliche Gefährdung (auch durch die Umgänge!)
  • zusätzliche Kosten (Masken, Tests, etc), das wenige Geld wird noch weniger
  • die wenigen Freundschaften und Freizeit in der man sich mal eine Auszeit holen kann, fällt weg
  • eigene Zeit wird noch weniger, durch vermehrte Kinderbeschäftigung

Will ich aber nicht jammern, nur mal aufzeigen was für Alleinerziehende normal, jetzt scheinbar für viele Familien fast nicht bewältigbarer Aussnahmezustand ist.

Was man sich kommentarlos, am besten, anhören muss bzw. Tipps bekommt und noch dankbar dafür sein soll.

Und wie unverständig die Gesellschaft auf eine „hohe“ Anspruchshaltung“ einer Alleinerziehenden reagiert.

oder

spricht da auch der Neid aus Euch?,

was alleine mach- und lebbar ist?

 

(Das wird unbedingt ein eigener Artikel)

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