Au Pair Mädchen (Erfahrungsbericht)

Au Pair Mädchen kann manchmal die einzige Möglichkeit sein, weiter berufstätig zu bleiben.

Zumindest wenn man es finanzieren kann und den Platz dazu hat.

Ein Au Pair Mädchen kostet euch rund 500-600,-€ im Monat.
250,-€ Taschengeld + Essen + gemeinsme Ausflüge + Sprachkurs + Zimmer (und Nebenkosten).

Es summiert sich ganz schön und man muss erstmal einen Beruf haben wo sich das System Au Pair Mädchen- mehr arbeiten auch wirklich lohnt.

Ich habe es nur ein halbes Jahr geschafft es zu finanzieren. Unter Umständen hätte ich es auch weiter beschäftigt. Aber kommen wir zu meinen Erfahrungen, die ich gemacht habe.

Wenn man sich zu einem Au Pair Mädchen entschieden hat, stellt sich die Frage wie man an solches kommt.

Zum einen gibt es Agenturen, die das bewerkstelligen. Der Vorteil ist, man hat keinen grossen Zeitaufwand, eine gewisse Absicherung bei Problemen. Der Nachteil ist, es kostet. Ein paar Hundert Euro, je nach Agentur.

Dann muss man sich entscheiden woher soll denn das Au Pair Mädchen oder darf es vielleicht ein Junge sein? kommen. Entscheidend bei der Organisation ist ob aus dem EU oder Nicht EU Land eingereist wird. Ausserhalb der EU kostet das Visum nochmals extra.
Man kann auch privat suchen.

Heutzutage läuft das wohl am besten über das Internet.
Bei mir ist das jetzt 4 Jahre her und ich habe als kostenloses Forum, das sich halbwegs bewährt hat, www.au-pair.com genutzt.

Ob das wirklich seriös ist, kann ich nicht sagen.

Mir war es wichtig ein Au Pair Menschen zu finden, der zu uns passt. Und genau da liegt meine Skepsis den kostenlosen Au Pair Foren gegenüber.

Ich habe einen Au Pair Mädchen doch einiges zu bieten: eine eigene kleine Wohnung mit Kinderzimmer, wirklich wenig Arbeit, viel Freizeit und viel Freizeitangebot. ABER: ich kann z.B. keine Grosstadt  um Ecke bieten. So sollte doch das was sich das Au Pair Mädchen vorstellt und das was sich die Familie vorstellt einigermassen zusammenpassen. Dazu kommt, es muss jemand bereit sein zu jemand alleinerziehenden zu gehen (ob allen klar ist was das bedeutet weiss ich nicht!). Zu den Ausgaben eines Au Pais gehört nicht in erster Linie die Hausarbeit, aber bei meinem Fall war auch klar, dass es jemand ein muss, der nicht zimperlich ist und wenn der Winter kommt, dann muss auch mal 3 Stunden Holz geschichtet werden oder Schnee geschaufelt.

Ich stellte meine Anzeige ein und es meldeten sich schnell sehr viele junge Leute aus aller Welt.
Wie sollte ich mich da entscheiden?

Und was mache ich wenn alles abgesprochen ist und am Termin kommt niemand- dann steh ich da mit meinem neuen Lebensplan und wahrscheinlich übermorgen ohne Job.

Es schrieben so viele und inhaltlich konnte ich darauf schliessen, dass sich wohl kaum jemand die richtige Mühe die Anzeige richtig zu lesen.

Nachdem ich dann einige Male zurückschrieb, sich aber kaum jemand meldete oder die Mädchen sich zwischen mehreren Angeboten nicht entscheiden konnten, machte sich Frust breit und ich liebäugelte mit einer Agentur.

Im letzten Augenblick schrieb mich ein deutsches Mädchen aus Baden-Baden an, die egentlich als Au Pair in die Schweiz wollte. Sie entschloss sich spontan, dass Bayern ja auch Berge hat und dass sie Lust hätte auf meine Familie.

So einigten wir uns recht schnell und stiessen leider auf die Schwierigkeit, dass Deutsche in Deutschland nicht Au Pair sein dürfen- rein vom rechtlichen Status her. So stellt sich die Frage nach den ganzen Sozialversicherungen ect.

Wir haben dann die Lösung über die Minijobzentrale gefunden. Da kann man eine Haushaltshilfe anmeldet, so dass man keine Angst haben muss, dass „Au Pair“ schwarz zu beschäftigen.
Angeblich laut meinem Steuerberater darf diese dann aber nicht von mir beherbergt oder verköstigt werden.
Mal ehrlich: wieviel Steine will man mir alleinerziehend noch in den Weg legen? Ist nicht schon kompliziert genug im Schichtdienst mit kleinen Kindern?
Und ausserdem: wer will mir denn meinen Besuch den ich habe verbieten oder wen ich bei mir wohnen lasse???

Irgendwo hört ja wohl auf!

Logischerwesie habe ich so nur die Kosten die ich über die Minijobzentrale hatte, abgesetzt und nicht den Wohnraum oder Essen.

Gut aber, dass jetzt alles geregelt was, das Sommerferienende konnte kommen und unser neuer Lebensplan stand fest. Und wir freuten uns.

Silv reiste zum neuen Schuljahr also. Sie war 21. Hatte Erzieherin 2 Jahre gelernt und stand vor dem Praktium, wohnte noch zuhause und wollte sich eine Auszeit nehmen.

Wir freuten uns!
Es konnte nicht besser kommen!!!
Ich hatte die Lösung unseres Problems gefunden!
Dachte ich!

Ums nun kurz und knapp zu sagen: es war eine einzigste Katastrophe!!!

Mich würde mal interessieren ob sich das Mädchen, später, wenn sie älter ist und selbst Kinder hat, sich nicht schämt.

Schlimm genug, dass sie schon 2 Jahre Arbeit mit Kindern hinter sich hatte. Denn sie konnte überhaupt nicht mit Kindern umgehen.

Sie konnte toll basteln mit den Mädchen und hatte wirklich viele kreative Ideen, als Erzieherin, angehende. Aber der komplette Rest fehlte.

Bei einer alleinerziehenden Mutter muss man auch mal eine Kleinigkeit kochen, ja. Aber Theorie und Praxis sind wirklich zwei Paar Schuhe. Und manches Essen muss man seinen Kindern nicht zumuten. Vor allem nicht zuviel ungesundes- was man eigentlich von einer Erzieherin erwartet, die auf der Hauswirtschaftsschula angeblich kochen gelernt hat.

Aber wer einen Schokokuchen mit flüssigem Kern in den Kühlschrank stellt……..

Also was sie wirklich gut konnte war fernsehschauen! Kam man in ihre Wohnung (ich muss da ab und zu durch), waren da morgens um 11 Uhr die Rollläden unten, Fernseher lief, die schrägsten Programme, die Wohnung sah aus, kein Sauerstoff vorhanden,…… Abends ass sie immer mit uns mit, das schaffte sie es nicht mal ihr Geschirr wegzuräumen- das überlies man dann mir. Eigentlich dachte ich sie sollte eine Entlastung sein.

Ich stellt dann ihre Gläser abends nicht mehr weg und die Safttüten, denn sie war die einzigste, die sie trank. Nachdem sich allabendlich immer mehr auf ihrem Platz anhäuften, fing sie doch bei Safttüte Nummer 8 sich zu wundern……..“Die Kinder können ja auch mal was wegbringen.“

Sie hat gar nichts verstanden, völlig weltfremd!

Ja sie fing dann auch tatsächlich an mit meinen Kindern zu schreien und sich gar nicht schön zu verhalten, da sie komplett überfordert war von ganz normalen Trotzreaktionen kleiner Kinder. Ist es doch ein Unterscheid zwischen Kindergarten und zuhause!! Da fehlt der ganze Herdentrieb der Kinder: da war sie schlicht überfordert das alleine zu regeln.

Schlimm war ja einfach die Tatsache, dass ich gar nicht mehr wusste was für Aufgaben ich ihr geben sollte- denn bei allem was ich ihr auftrug , hiess es: das kann ich nicht, das will ich nicht, das mache ich nicht.

Ich war ganz irritiert anfangs: käme gar  nicht auf die Idee, zu meinem Chef zu sagen:
will ich nicht, kann ich nicht, mach ich nicht.
Und sie war auch bei keiner Sache gewillt sie zu lernen.

Einkaufen geht nicht, denn sie kann angeblich kein Auto fahren, Entschudigung: keine Schilder lesen, angeblich. Ball spielen kann sie auch nicht mit den Kindern, denn sie hat Angst vor Bällen. Mit zum Skikurs mit der Kleinen, ist ihr zu…..keine Ahnung was… setzt sich ab in Mc Donalds.
Holz einschichten, weil ich schnell zum Dienst muss (1 Stunde Arbeit) macht sie nicht, lässt das Holz nass regnen, versottet dann meinen Kamin. Schnee schaufeln, dass ich nach dem Spätdienst und 8 Stunden Arbeit parken kann, ist ihr zu anstrengend.

Was sie gut konnte, war,  während ich Arbeit verrichte mir zuschauen, die Ohren mit total sinnlosem Zeug zutexten und den Kindern sagen sie sollen mithelfen. Das ganze fand sie noch lustig, dass sie mit ihrem 24 Stunden Gelaber jedem auf den Sack geht. Sie hat den Ernst der Lage einer Alleinerziehenden völlig verkannt.

Es hat mich finanziell ruiniert das Projekt. Das ist diesem Mädchen nicht klar. Und ich dachte ja eigentlich, dass das hier für jemanden ein Traumjob ist: mit 21 eigene Wohnung in super Lage, viel Freizeit, wenig Arbeit, theoretisch Zeit für Minijob oder andere 1000 Ideen.

Dafür zahlt man normalerweise mind. 500,- Euro schon alleine Miete. Sie bekommt auch noch 250,-!, Essen und so manche Freizeitaktivität.

Einfach lebensunfähig das Mädchen!

Sie erzählte auch von ihrer Mutter, wobei mir wieder klar wurde: „der Apfel fällt oftmals nicht weit vom Stamm“. Ebenfalls eine völlig unselbstständige Person.

Ich habe mit Silv 2-3 Gespräche geführt, die zu nichts führten.
Es war auch nicht meine Intension hier jemanden zu beschäftigen, der gar keinen Spass dran hat.

So musste ich mich aus Kosten-Nutzen Gründen und aus einem Akut-Ereignis heraus meinem Au Pair kündigen. Wir hatten vertraglich 4 Wochen Kündigung ausgemacht. Ich stellte ihr frei ob sie die 4 Wochen noch bleiben möchte.

Am nächsten Morgen war sie verschwunden ohne sich von den Kindern oder mir zu verabschieden.

Man kann nur hoffen, dass sie keine Erzieherin wird und viel reifer bis sie eigene Kinder bekommt.

Für mich war’s ein Reinfall.

Aber ich bin viel zu viel Optimist, als dass ich es nicht nochmals versuchen würde. Nur fehlt mir einfach das Geld.

Und leider gibt es keine deutsche Stelle wo man finanzielle Unterstützung zu einem Au Pair Mädchen beantragen kann. Auch wenn es die einzige Möglichkeit ist seinen Beruf weiter auszuüben.
„Tut uns leid, da müssen sie halt Hartz4 beantragen“, höre ich dann zum 100. Male………..

Ich dachte ich vermeide mit einem deutschen Au Pair sprachliche Barrieren. Aber beim nächsten Mal würde ich vielleicht doch ein Mädchen aus dem ärmeren Ausland nehmen. Einfach, weil ich hier bei mir keinen Luxus bieten kann, dafür aber Genuss. und manchmal habe ich das Gefühl, dass die Wohlstandsgesellschaft sowas nicht mehr zu schätzen weiss.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.