(M)Eine Wohnsituation alleinerziehend

Es hat sich damals in der Ehe so ergeben, dass wir aus einer modernen 4-Zimmer Mietswohnung mit hohen Nebenkosten in ein altes, etwas abgelegenes, Mietshaus gezogen sind, gebaut in den 50ern. Oben eine 3 Zimmer Wohnung, unten das gleiche.

Da ich nach der Trennung keine wesentlich billigere Wohnung bekommen hätte und auch wegen der von mir benötigten Betreuung wegen meines Berufes, blieb ich in dem Haus mit den 2 Dreizimmerwohnungen wohnen.
Das Gericht entschied sowieso, dass ich die Kinder nur zu 100% behalten kann wenn ich das soziale Umfeld erhalte. Wäre ich weggezogen, wäre die Entscheidung offen gewesen – und mein Exmann war ebenso wie ich volle Bezugsperson der Kinder.

Die Miete ist ungefähr gleich wie die moderne Mietswohnung, aber das Haus alt und dauernd reparierbedürftig, dafür grossen Garten und tolle Natur herum. Geheizt wird mit Öl und Holz. Warmwasser geht über die Boiler. Auch die Bäder sind alt und sanierungsbedürftig.
Der grosse Garten hat mich sehr viel Arbeit gekostet und konnte immer nur das Minimum schaffen.
Stets hing in den letzten Jahren eine Dachrinne runter, der alte Wintergarten fiel halb auseinander. Die Tür ist derart oft repariert, dass es eigentlich schon eine neue ist. Im Winter muss natürlich  geheizt werden, denn die Doppelglasfenster isolieren kaum. Und das Grundstück ist wirklich gross, wenn man alleine Schneeschaufeln muss.
Einige Nächte habe ich mit 2 stündlichen schaufeln verbracht um alleine den Massen Herr zu werden.

Der Vermieter hat die letzten 10 Jahre nie was machen müssen.
Was will man ihn auch wegen jeder Schraube anrufen bei dem alten Haus. Bei Einzug war das klare Abmachung, dass deswegen auch die Miete bezahlbar ist.

Mittlerweile bin ich ja seit 7 Jahren alleine und das Haus wird jährlich älter. Die Wohnqualität doch immer schlechter.

So kam der Tag an dem der Vermieter eröffnete, im Dezember 2018, er wolle modernisieren.

Im Frühjahr wollte er dann verkaufen.

Er hatte das Haus als kleiner Geschäftsmann mit gut gehendem Geschäft im Dorf, wie einige andere Immobilien, als Wertanlage und Steuervorteil für 200.000,-€ gekauft.

Wir bzw. ich war immer daran interessiert, ihm das Haus abzukaufen, doch er wollte nie. Gab ja für ihn auch keinen Grund zu verkaufen.

Also gab ich auch jetzt Kaufinteresse bekannt.

Allerdings wollte der Besitzer nun einen Verkaufspeis von 500.000,-€.

Zugegeben, sieht man das Haus, mit dem Grundstück, auf ersten Blick in dieser Lage, könnte man auf die Idee kommen, dass es das wert ist, bei den heutigen Preisen in unserer Gegend.

Angeblich gab es auch schon ganz viele Interessenten, auch für den Preis.

Verstehen kann ich es bis heute nicht, vielleicht treffe ich mal einen, der es wirklich ausgegeben hätte, denn meine tollen 1000qm liegen am Hang, Südhang. Erstmal wunderschön. Aber zum einen nicht bebaubar, trotz Baugrund, wegen der Naturschutzbehörde. Aufschütten wird ebenfalls nicht genehmigt. Der Hang ist auch nicht wirklich begehbar, sondern uneben, dass man kaum Rasen mähen kann.

Und seit meine 15m hohe Tanne geklaut wurde (ja so dubiose Dinge passieren mir öfters hier) wächst dort nur noch Brennessel und Brombeere.Diese undankbaren Gewächse waren seit dem wohl meine Angelegenheit- es hat sich keiner mehr drum gekümmert…….. .

Mein Vermieter hatte jemandem erlaubt, ohne meine Zustimmung, den Baum zu fällen. Gedankenlos, dass dieser grosse Baum mein Schallschutz war. Ärger habe ich ihm deswegen nicht gemacht, obwohl ich es hätte können.

Ich wohne zwar wunderschön, nahe der Tiroler Ache, habe aber eine Kiesgrube und Zerkleinerungswerk ohne Betriebszeiten und mit Nachtarbeitsgenehmigung vor der Tür von Süd und Nord. Der Betrieb wurde vor vielen Jahren zugelassen, so, dass an den betriebs- oder Nachtarbeit nichts zu rütteln ist. Wir Anwohner haben es schon versucht. Denn die Arbeiter des Unternehmens bemühen sich auch nicht wirklich laute Geräusche, die vermeidbar wären, zu vermeiden.

 

Den Vermieter habe ich nur 1x im Jahr gesehen, wenn er klingelte und meine Nebenkostenabrechnung in den Briefkasten warf.

Ansonsten habe ich ihn nie belästigt und so gut es mir möglich war um sein haus gekümmert und bewohnt, was den verfall wesentlich verzögert.

Jemand anderes hätte wohl die Wohnqualität mit 2 kleinen Kindern so auch nicht in Kauf genommen. Ich habe das einfach aus der Situation heraus getan und die schöne Natur am Osterbuchberg genossen.

Da in das Haus mindestens 3000.000,-€ Grundsanierung gesteckt werden muss. Selbst die Drainagen sind seit 10 Jahren defekt und ich habe jedes Jahr mindestens 1x Hochwasser im Keller. Das Haus darf ebenfalls nicht abgerissen werden. Nur saniert und angebaut.

Was bedeutet, ich hätte Schluss endlich ein Haus für ca. 850.000,-€ ……um überhaupt mal über solche Summen zu sprechen…..an einem Hang, mit dem nichts anzufangen ist, nicht mal gewerblich, immernoch ein altes Gemäuer und dem Lärm zeitweise einer Grossbaustelle. Täglich ab 6 Uhr zuverlässig, sonntags immer geschlossen, aber ansonsten kann man nicht kalkulieren wann’s laut ist. In den Wochen in denen grosse Steine angeliefert werden und zerkleinert werden, hat man von früh bis spät besonders viel Spass.

Ich weiss, dass man für die Summe auch ein Haus hier in der Gegend in genauso schöner Lage bekommt in besserem Zustand. Ich habe sie auch schon gesehen und besichtigt.
Für mich ist solch eine Summe sowieso indiskutabel.

Gehe fest davon aus, dass der Besitzer hier, die Augen vor den Rahmenbedingungen, die das Haus mit sich bringt, verschliesst. Wenn ich sie aufzähle, beschwichtigt er und hat je ein Gegenargument. Aber ich weiss nun, wie es ist, hier zu wohnen. Tue ich ja schon 10 Jahre.

Also habe ich ihm eine geringere Summe geboten, immerhin ist es mein Zuhause, wohl wissend, dass er als Geschäftsmann nicht darauf eingehen wird.

Meine Frage nach Interesse seines Sohnes an dem Haus, versicherte er, dass dieser eine gute Wohnsituation hat. Er hat sehr verständlich erklärt, wozu er jetzt 500.000,-€ Bargeld braucht.
Die Halle, für die er das Geld angeblich brauchte, steht jetzt auch fast, ohne dieses Geld. War wohl eine Notlüge, bestenfalls. Erzählen tun die Menschen gerne.

Logisch, dass er will soviel Geld, wie er rausschlagen kann, das würde jeder tun. Aber realistisch bleiben sollte man schon und nicht die Augen verschliessen vor Dingen die vorhanden sind. Teuer ist das eine, Wucher das andere.
Und ich, wohne zwar ganz gerne in der Gegend, aber das Haus und die Rahmenbedingungen sind mir einfach nicht ultimativ viel Geld wert.

Ich habe ja auch 9 Monate Kündigungsfrist. Auf diese Information hat mein Vermieter sehr aggressiv reagiert. Ich wolle ihm drohen, meinte er. Drohung? Das ist einfach nur Tatsache, mein Recht als Mieterin nach 10 Jahren, mehr nicht.

Also, wartetet ich erstmal auf die ersten Kaufinteressenten.

Die nie kamen.

Dafür nach einem zufälligen Anruf bei meinem Vermieter, aus anderem Grund, erfuhr ich aus anderer familiärer Quelle, dass ich bitte so schnell wie möglich meine Koffer packen soll und verschwinden, das Haus wolle man jetzt selbst nutzen.
Diese Information hatte man mir jetzt hysterisch schreiend nach 10 Jahren angeblichem guten Mietverhältnis (wie mein Vermieter meint) ins Ohr gebrüllt.
1 Stunde später hatte ich die Eigenbedarfskündigung als loses Blatt im Briefkasten.

Nachdem die Mieten zu teuer sind und die Zimmerverteilung in den nächsten Jahren stets wechselt, durch ausziehende Kinder und der Ungewissheit Event. wieder gekündigt zu werden und auf Umzugskosten sitzenzubleiben, habe ich beschlossen zu bauen. Mit kleinem Startkapital ist das günstiger als mieten. Kleiner Baugrund, kleines Haus, gross will ich gar nicht mehr, lieber klein und süss.
Blöd nur, dass es genauso wenig kleine Baugrundstücke gibt wie bezahlbare Wohnungen.

Und die Gesellschaft lässt mich nur zu gut spüren, dass es einer Alleinerziehenden weder zusteht in so einem grossen Haus zu wohnen wie momentan und schon gar nicht ein Bauprojekt in Angriff zu nehmen. (das wird ein separater Artikel)

Die wissen ja auch nicht, dass ich schon viel Schwierigerers bewältigt habe in den vergangenen Jahren. Aber zustehen, tut es mir deshalb gesellschaftlich noch lange nicht. Auch, wenn ich beruflich mehr als notwendig an der Gesellschaft meinen Dienst tue.

Mein Vermieter hat sicher Interesse, dass ich schnell raus bin, aber meiner Bitte, sich umzuhören, da  er selbst im Dorf aktiv ist und Immobilien besitzt, ist er noch nicht nachgekommen.
Eine Antwort, warum er seinen anderen Mietern nicht kündigt, die wesentlich günstiger wohnen für seinen Sohn als ich, habe ich ebenfalls nicht bekommen.

300 m² Grund mag er mir auch nicht verkaufen, wie alle eben. Deswegen siehts ja auch dem Immobilienmarkt so aus wie es aussieht.

Erst lies er mich nicht untervermieten, Mietraum, den ein anderer dringend gebraucht hätte, da das Haus für mich alleine viel zu gross ist und der Wohnraum knapp.
Nur wenn jeder gross wohnen mag wie bisher. Wie soll das werden in der Zukunft. Sind wir nicht ein Staat in dem allen Wohnraum zusteht? Bezahlbaren?
Muss man dann nicht auch teilen können?

Das Dorf ist voll von Wohnungen, Ferienwohnungen, viele Häuser mit Riesengrundstücken, Häuser mit 3 Garagen und die Autos parken auf dem Bürgersteig. Soziale Gmeindeliche Baugrundvergabe bekommt man alleinerziehend Negativpunkte und geht somit leer aus. Nicht der, der verheiratet ist ohne Druck des ausziehens, nur den Wunsch nach Veränderung/ Vergrösserung. Ebenso wie wenig Punkte für Pflegestufen, die ebenso immense Schwierigkeiten auf dem Mietmarkt haben, sowie Rentner der unteren Mittelschicht.

 

Ich dokumentiere gerne wie das für uns, einer Kleinstfamilie, das ganze wohnen und Wohn-, Bauprojekt weitergeht.

Ganz brisantes Thema! Nicht nur die Städte haben die Wohnproblematik, sondern auch beliebte ländliche Gebiete, Urlaubsregionen.
Ferienwohnungen gibt’s hier massig, die die Städter bauen, mit guten Jobs in der Stadt. Die stehen viel leer. Ebenso etliche Häuser um die sich keiner kümmert.

Das Familienbauprojekt im Dorf für Baugrund für Familien mit geringem Einkommen wurde eingestampft. Die besser verdienenden haben sich beschwert, wegen der Gleichheit: ich weiss jetzt was wohl unter sozialer Gerechtigkeit zu verstehen ist.
Auf der Bewerberliste einiger Gemeinde stehe ich dennoch…. wir werden sehen.

Und ob der Sohn des Vermieters Schluss endlich tatsächlich langfristig einziehen wird.
Doch davon gehe ich fest aus.

 

Nachtrag:

Mittlerweile habe ich eine Räumungsklage. Verhandlung demnächst. Ich erzähl Euch gerne wie’s war und was dabei rauskommt.

 

Ich brauch doch nur etwas Zeit auf diesem furchtbaren Immobilienmarkt. Ein wenig Geduld hätte es getan, statt einer Klage nach all den Jahren.

Aber gut, so sind die Menschen unterschiedlich.

Und bei all meinen grossen und kleinen Katastrophen nur ein weiterer Punkt den man lernen, lösen und handeln muss um danach wieder ein Stück schlauer zu sein. Auch menschlich.

 

 

 

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