Und plötzlich stand ich alleine da…..

Und plötzlich stand ich alleine da!

Mit viel zu grossem, gemietetem Haus mit Garten, 2 Kindern, 4 Hunden, 2 alten Autos, einem Job im Schichtdienst und keiner Oma.

Nach dem unfassbaren Schock, dass mein Ehemann und bester Freund heimlich zum Anwalt geht und mich verlässt, stand ich im November 2012 alleine da.

Nicht, dass ich grundsätzlich ein unselbstständiger Mensch wäre, aber in dieser Situation ist es doch was anderes als wenn man Single – Mensch ist und verlassen wird.

Ich hatte zuerst ein riesen Problem, da mein Mann die Kinder mitnehmen wollte. In eine ganz andere Ecke Deutschlands.

Das beschwor einen Rosenkrieg herauf. Man hatte erwartet, dass ich alleine ohne Mann mit 2 Kindern, Hund und altem grossem Haus von alleine aufgebe.

Aber ich denke, den meisten dürfte klar sein, dass wenn man einer Mama die Kinder nehmen will, wird sie zur Löwin.

Na ja, nicht mein Problem, dass die Gegenseite mich unterschätzt und bis zum heutigen Tage unverständig ist.

Auf diesen scheußlichen Rosenkrieg möchte ich hier gar nicht eingehen. Nur erwähnen, dass ich damit erstmal beschäftigt war.

Was viel Zeit, Energie, Tränen und Geld kostet.

Man muss sich mal vorstellen, man ist mit seinem besten Freund verheiratet. Auch wenn’s nicht mehr so gut läuft. Kein Wunder bei all dem Alltagsstress…..Man ist doch noch beste Freunde……Eltern……und dann beansprucht der eine die Kinder komplett für sich.

Ganz entgegen des Lebensmodells, das man entworfen hatte.

Ganz entgegen des Vertrauens was man in den anderen hatte.

 

Dieses Verlassen werden und sein Schmerz war so vielschichtig:

der Verlust des Partners, emotional und rational-organistorisch, Verlust der Vorstellung von Familie, Angst um die Kinder, Sorge um die Kinder und deren Wohlergehen, Geld, Schmerz um den Verlust des besten Freundes für den man die Hand ins Feuer gelegt hätte bis zu jenem Tag, Gedanken über die Zukunft, die Arbeit, die Wohnung. Und die Gesundheit leidet.

Da soll man lebensfähig sein in diesem Moment. Funktionieren!

Man muss ja, hilft ja nix. Die Erde dreht sich weiter.

Also erstmal die Wohnsituation klären.

So lebe ich nun  aus mehreren Gründen weiter in einem viel zu grossem gemieteten, zu teurem alten Haus.- zugegeben in einer der schönsten Gebiete Deutschlands! alles hat eben seine Vor- und Nachteile. und es ist besser auf die Vorteile zu blicken.

Dann die wirtschaftliche Seite klären:

  • Konten dividieren (meist mit Stress verbunden: Abrechnungen von Nebenkostennachzahlungen etc. sind oft unendliche Diskussionen)
  • Unterhalt klären
  • eigene Arbeitssituation

Diese ist bis zum heutigen Tage schwierig, da ist bis zur Trennung als Krankenschwester auf einer Intensivstation gearbeitet habe. Ich muss Feiertags, Wochenende und auch Spät-, Früh- und Nachtdienste arbeiten. Ohne Betreuung unmöglich! bis zum heutigen Tage ein leidiges Thema. Und keine offizielle Stelle in Deutschland bietet diesbezüglich Hilfe. So viel alleinerziehende Krankenschwestern und so viele offene Stellen als Krankenschwester……

Dann die Betreuung der Kinder klären, auch für Notfälle.

Sobald klar war, dass die Kinder bei mir leben dürfen, war für meinen Ex Mann seine Verantwortung vorbei.

Ich hingegen konnte überhaupt nicht verstehen warum mein Ex Mann ein Wechselmodell von Anfang an gar nicht in Betracht zog. Aber klar, er hatte schon viel länger mit der Beziehung abgeschlossen. Er wollte nur noch weg, möglichst schnell.  Für mich war alles ein Schock.

Ich musste, sollte mal schnell  Lebensmodell, Organisation, etc über Bord werfen.

Der Umgang muss geklärt werden.

Dann muss natürlich generell alles geteilt werden, Möbel ect.

Mein Mann hinterließ mir ein Haus im Chaos: Hauptsache schnell weg. Ich war zunächst damit beschäftigt das Haus zu entrümpeln.

Nebenbei, beziehungsweise hauptsächlich soll man dann noch den Trennungsschmerz der Kinder als Betreuungsperson abfedern.

…..neben Schule und so weiter

 

Ach ja, der normale Alltag bleibt auch noch!

 

Alles neben dem eigenen Schmerz!

Man fragt sich warum???

Macht das nicht!!!!

Allerdings habe ich auch lange Zeit gebraucht um zu verstehen, dass es einfach nur Zeitverschwendung ist. Man bekommt keine Antwort.

Akzeptieren, hinnehmen, das Leben ist ungerecht.

Auch die Fragen nach: warum macht mein Ex dies oder das:

er ist erwachsen. Es muss euch nicht mehr interessieren. Das ist ausschliesslich Lebenszeitverschwendung. Gönnt ihm das nicht- auch noch eure Zeit zu verschwenden.

 

Und unglaubliche Wut wie sich einer einfach so verpissen kann.

Vom Vollzeit-Überpapa zum „Ich-mag-dich-gern,aus-weiter-Fern“ Papa.

Was macht der da mit unseren süssen Wunschkindern???

Wenn für mich als Erwachsene das schon so schwer ist- wie mag das erst für die Kinder sein?

Die Wut vergeht mit der Zeit, Stück für Stück. Unverständnis bleibt! Und ab und zu kommt auch mal ein kleines Stück Wut zurück.

 

Aber ist es nicht auch so: bei einer Trennung befindet man sich in einer extremen Lebenssituation. Da lernt man den anderen erst richtig kennen. Wie der Mensch wirklich gestrickt ist- wie er sich verhält wenn er hasst und wütend ist und nicht mehr rational.

Für mich lernte ich damals einen neuen Menschen kennen. Den möchte ich nicht haben!

Er ist wie er ist und in der nächsten extremen Lebenssituation macht er seine gleiche Schublade wieder auf. Und das nächste mal bin dann zum Glück nicht mehr ich in seiner Nähe. Dann dürfen sich andere Menschen in seiner Gesellschaft geniessen.

Zugegeben, habe ich bis zum heutigen Tage von Zeit zu Zeit oder in manchen Situationen damit zu kämpfen, wie das mit meinem bester Freund gelaufen ist.

Aber menschliche Enttäuschungen hat wohl jeder zu verarbeiten.

alleine

 

 

Gut Sylvie, das Leben ist hart, ist kein Ponyhof und leider viel zu oft ungerecht. Hilft alles nix. Zusammenreissen und durch.

 

Es liegt ein wirklich steiniger Weg hinter mir.

Aber ich bin stolz ihn gegangen und geschafft zu haben.

Was heisst geschafft? Der alleinerziehenden Weg ist immer hart und steinig. Auch wenn er stellenweise wunderschön und wirklich einzigartig genial ist.

Und diese Einzigartigkeit nehm ich mit.

Das gibt mir Energie. Die Chance, die das Leben mir gab (und hier danke ich meinem Exmann!)- hätte nie gedacht, dass ich das mal sagen werde. Das Alleinerziehend sein hat Seiten, die eine Mutter oder Vater nie erleben wird mit ihren Kindern. Es ist eine besondere Konstellation…….

Es gibt noch einen Beitrag zu den Vorzügen des Alleinerziehend sein…..;-)

 

Damals funktioniert ich eine Zeitlang nach dem Motto:

 

Hinfallen, Krone richten, weiter gehen.

 

Im Laufe der letzten Jahre bin ich jetzt eher bei:

 

Hinfallen, aufstehen, Haare zerzaussen und das Leben rocken.

 

Es hat wirklich eine ganze Zeit gedauert bis ich das so sehen konnte.

Man braucht einfach Zeit- auch wenn einem das so gar nicht in den (Lebens-) kram passt.

Ich war vorher wie gesagt, auch nicht unselbstständig, konnte schon einen Nagel die Wand hauen, ein Loch in die Wand bohren und mein Öl am Auto konnte ich auch selbst überprüfen. Ein Lagerfeuer bekomme ich ebenfalls mit maximal 3 Streichhölrezn an (war  in der Jugend (und auch später)oft eine Wette gegen die Jungs).

Aber dann verließen sie ihn schon bald.

Also lernte ich was ein Ster Holz bedeutet, merkte was passiert wenn man den Aussenwasserhahn im Winter nicht abdreht. Und gleichzeitig, gezwungenermassen, wie man einen Wasserhahn wieder repariert. Danke Stefan, für das Isolierband ;-).

Löcher kann ich jetzt auch durch Wände bohren und Kabel verlegen.

Mittlerweile kenne ich mich gut mit der Ölpumpe für meinen alten Ölofen aus.

Weiss wie ich meine hauseigene Kläranlage dokumentieren und warten muss.

Habe ordentliche Rasenmäher, mit denen ich den Rasen, zumindest grob, in 1,5 Stunden schaffe. Und weiss diese auch zu bedienen und zu betanken!!!!

Ich schneide meine Hecken und Sträucher und kenne mich wesentlich besser mit Werkzeug aus. Hat man das richtige Werkzeug ist oft auch die Arbeit nicht mehr das Problem. Auch das habe ich gelernt.

Ich weiss was bei Wasserrohrbruch und Hochwasser zu tun ist.

Habe eine gute,  günstige Autowerkstatt. Und vor allem kann ich mein altes Auto mittlerweile auch bei leerer Batterie alleine starten, selbst bei Kontaktproblemen zwischen Zündschloss und Batterie (Beitrag folgt).

Sprich: ich habe so mega viel gelernt wie ich es niemals getan hätte mit normaler Familie.

Das bleibt mir immer erhalten und wird mich im Leben IMMER weiter bringen als wenn ich es nicht hätte!!!

Ich habe meinen Alltag gefunden.

Oft chaotisch, oft überfordert, oft genervt, aber glücklich.

Ich versuche mich zu organisieren, immer auf der Suche mich zu optimieren, Zeit und Geld zu sparen….um dieses an anderer Stelle wieder zu „verprassen“.

Alles kann ich nicht alleine machen und auf Hilfe ist man doch stets angewiesen. Aber komplett selbstständig bin ich geworden- richtig lebensfähig.

.

Was den Vorteil hat, dass ich nicht mehr das Gefühl habe einen Mann zu brauchen. Falls ich mich verliebe, ist er herzlich willkommen mich zu bereichern. Denn ich habe gelernt auch alleine glücklich zu ein. und das können die wenigsten Menschen.

Ich wurde öfter von Verwandten und Bekannten  auf das Gefühl „gescheitert zu sein“ angesprochen und es müsse doch so hart sein das zu verdauen.

Ich war schon das erste Mal ganz befremdet: ich hatte niemals das Gefühl gescheitert zu sein.

Ich hatte mit der Trauer über den Verlust der Familie, des Lebensplans zu tun, nicht aber mit dem Gefühl gescheitert zu sein.

 

Denn das Leben lebt. Und stellt Herausforderungen. Einstellungen, Gefühle und Meinungen können sich ändern. Alles ist endlich. Da ist für mich das Wort scheitern fehl am Platz.

Zumal:

Scheitern ist der erste Schritt zum Erfolg

Da bin ich doch gerne mit dabei- so habe ich es auch erlebt.

Eines ist sicher, man wächst mit seinen Aufgaben.

Und es ist wunderbar, sich nach einer Zeit selbst gefunden zu haben und sich innerlich reich zu fühlen.

Auch in schwierigen Zeiten.

 

innerlich reich

 

 

 

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