Was bedeutet „Alleinerziehend sein“ eigentlich?

Alleinerziehend sein.

Das Wort hat einen sehr negativen Beigeschmack.

Warum eigentlich?

Weil es eine Aufgabe beschreibt, die eigentlich für zwei gedacht ist, von einem geleistet werden muss und so vermehrten Aufwand bedeutet.

Und man ist doch so schon genug gefordert vom Leben.

Dabei müsste es ja eigentlich gar nicht sein- trotz Trennung.

Aber meistens ist es wohl leider so.

Mir wurde von offizieller Stelle mal gesagt, dass es nur bei 4% aller Trennungen optimal klappt mit den Kindern und beiden Elternteilen.

Sehr schade!

 

Ja, wie gesagt, erst einmal bedeutet alleinerziehend sein eine Aufgabe bewältigen, die eigentlich für zwei vorgesehen ist.

Das zieht nach sich, dass man mehr Energie, mehr Zeit, mehr Geld, mehr Geduld, mehr Verantwortung aufbringen muss. Weniger Gesundheit, weniger Egoismus, weniger Freizeit, weniger soziale Kontakte ist die Folge.

Manchmal bin ich ein bisschen pikiert, wenn Frauen, deren Männer werktags viel arbeiten oder nur wochenends zuhause sind, von sich sagen:  Ich bin ja fast wie alleinerziehend unter der Woche.“

 

Alleinerziehend bedeutet ja nicht nur keinen zweiten erwachsenen Part in der Alltagsorganisation zu haben.

Vielmehr die ganze Verantwortung, jede Entscheidung trifft man alleine, wie auch wirtschaftliche Seite alleine tragen was einen enormen Energieaufwand bedeutet. Gerade auf Dauer wird der Akku immer leerer.

Ganz zu schweigen von der Freizeit, die man immer alleine plant und oft auch macht.

24 Stunden Kinder! 7 Tage die Woche. Vollzeitjob, der gegen jedes Arbeitszeitgesetz verstösst. Plus der Job der Geld bringt.

Da gibt es keine 10 Minuten wo man Ruhe hat um irgendwie auszuruhen oder was wichtiges zu erledigen.

Ich habe weder den Vater noch Verwandschaft vor Ort. Der Vater möchte wochenends keinen Umgang, so habe ich die Kinder immer. Bis auf Oma Besuche oder hälftige Ferien. Die ich dann meist zum Arbeiten nutze.

 

Der Alltag muss bewältigt werden.

Frühstück alleine machen, Kinder wecken, schauen, dass alles klappt, Schulsachen dabei?

Jeden Tag alleine die Kinder in die Schule bringen. Auch wenn das Auto kaputt ist oder der Schnee zu hoch.

Ordnung machen zuhause, überlegen was es zu essen gibt, einkaufen, alles was eben dazu gehört.

Schulaufgaben. lernen mit den Kindern, sich Sorgen machen um Noten, Elterngespräche, Förderung wo nötig.

Und vor allem stets die Kinder bei Laune halten und sie motivieren!

Das tägliche Theater abfedern.

Förderung in der Freizeit unterstützen, Flöte, Gitarre, Turnen, was auch immer. Hinfahren, finanzieren, üben, Auftritte.

Arztbesuche, Zahnspangen, wöchentlich 2-3 Elternzettel, Kuchen backen, Geburtstagsgeschenke besorgen…..

 

Und Freizeit zuhause, am Wochenende:

Bei grossen Unternehmungen ist so ein Wochenende echt stressig- wenn auch schön-

Frühstücken, fertig machen, packen

Unternehmung bis nachmittags

heimkommen: Hunger!

erstmal kurz aufräumen was man vor dem Gehen nicht geschafft hat. Essen machen, Hund versorgen: puh jetzt erstmal aufs Klo und was trinken!

Da ist kein Zweiter, der mal mit anpackt.

Dann steht meist für die Schule was an, bisschen aufräumen, duschen und dann ist der Tag vorbei und man hat die ganze Zeit gewerkelt.

Man ist ja immer gedanklich bei den Kindern, muss schauen, aufpassen, so richtig abschalten ist ja nicht.

Die wirtschaftliche Seite ist ja meisten bei Alleinerziehenden ein Katastrophe. Nicht nur zeitlich und betreuungstechnisch alles unter einen Hut zu bringen. Und überhaupt erstmal Arbeit zu haben.

Der Spagat zwischen adäquate Arbeit leisten und der Verantwortung der Kinder, macht einen mental auf Dauer fix und fertig. Man möchte gerne Eines richtig machen, zu 100%, und es ist nicht möglich.

Noch dazu reicht ja dann auch noch das verdiente Geld nicht so recht aus. Was einfach unbefriedigend ist und Sorgen bereitet oder einschränkt.

Die wirtschaftliche Seite der Alleinerziehenden ist auch politisch eine einzigste Katastrophe!!! Dazu wann anders mehr.

Schluss endlich kenne ich keine einzige wirklich entspannte, reiche, relaxte Alleinerziehende, die alles ganz easy findet.

Wobei „reich sein“ vielleicht manches vereinfachen würde……..

Alle Problemchen, die im Leben auftauchen, werden alleinerziehend doppelt so schwierig. Ob das Auto streikt, man krank wird, jobmässig kurzfristig Überstunden oder Fortbildungen machen soll, Feiertagsorganisation, und und und

Mäh mal den Rasen beim Kinderbeaufsichtigen oder führ mal ein Telefonat dabei……. .

Schluss endlich geht’s auch nicht darum, das mal ne Woche durchzuziehen, sondern kontinuierlich, Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat.

Wie das wirklich ist, weiss man nur wenn man es lebt!

Nicht zu vernachlässigen ist der Punkt, dass ist NICHT der Partner da ist um über die Dinge des Alltags zu sprechen die einen belasten, beschäftigen.

Es ist die grösste Herausforderung ans Leben, die man sich vorstellen kann: alleine Kinder in der heutigen Gesellschaft gescheit gross werden zu lassen und lebensfähig zu machen.

So ein Manager, der richtig viel Geld verdient, konzentriert sich im Leben einzig und allein darauf. Geht abends essen und die Putzfrau hat die Wohnung schon sauber gemacht.

Alleinerziehend sein, ist viel mehr. Es ist so vielschichtig und man muss sich auf so viele Kleinigkeiten konzentrieren- da komm kein anderer Job ran.

 

Ich musste mir auch schon anhören, dass das ja so schlimm auch nicht sein kann.

Was heisst schon schlimm?

Es ist einfach

megaanstrengend, wenn man es adäquat hinkriegen will.

 

Zu allem Übel kommt ja ganz oft noch Stress mit dem Ex, der einem Steine in den Weg rollt, in welcher Form auch immer.

So, dass  ich leider sagen  muss: manchmal ist es, für einen selbst, einfacher den Partner durch einen Unfall ect zu verlieren. Man steht ebenfalls von heute auf morgen alleine da, mit finanziellen und betreuungstechnischen Problemen, ABER: es arbeitet zumindest keiner gegen einen, der einen zusätzlich Energie kostet, und Geld.

Ist das jetzt ein einzig beschissenes Leben alleinerziehend?

Am Anfang ja, finde ich! Man muss ich erst in die neue oft ungewollte Rolle, einleben. Aber versprochen, man findet seinen Weg, es braucht Zeit!

Denn alleinerziehend kann auch soooo toll sein!!!!

Man kann unglaublich daran wachsen, da haben wir einen riesen grossen Vorteil zu anderen. Wir meistern so viele Probleme, da kann kommen was will. Wir stehen mitten im Leben und sind alleine lebensfähig. Nicht nur das, wir können dabei auch noch andere grossziehen. Gut grossziehen!

Wir können unglaublich stolz auf uns sein.

Auch wenn uns das nie einer sagt- und wenn, dann sind es meist Fremde.

 

Wir haben die Chance eine einzigartig innige Beziehung zu unseren Kindern aufzubauen.

Und ehrlich, die Ex Partner tun mir leid sich diese Chance im Leben vertan zu haben. Was gibt es schöneres als mit dem eigenen Kind (zusammen) zu wachsen. Zusammen gross zu werden.

Ich hätte mich für nichts in der Welt um diese Erfahrung bringen wollen.

 

Es ist was anderes wenn die Kinder am Wochenende sich morgend zu einem ins Bett kuscheln wenn man alleine ist, als wenn ein Partner dabei ist.

Man ist volle einzige Bezugsperson. Einziger Ansprechpartner. Natürlich auch der einzige der meckert.

Kinder wissen es zu schätzen was wir für sie tun. Nicht jetzt, aber in einigen Jahren!!

Und eigentlich ist es wunderschön mit unseren Kindern zu leben, auch wenn man es oft vergisst im Alltagsstress.

Sie gross werden sehen, wachsen, was sie alles lernen…..wie sie langsam zu kleinen Persönlichkeiten werden.

All das möchte ich nie und nimmer missen.

Unverständlich ist, glaube ich, für viele, dass es dem Ex Partner nicht auch so geht. Aber wir müssen aufhören uns Gedanken um andere zu machen. Ausser unseren Kindern.

Und wir müssen aufhören uns darüber zu ärgern wenn wir glauben, der Ex handelt nicht zum Kindeswohl.

Er ist erwachsen und wird wissen was er tut!

Es betrifft nur die Beziehung zwischen ihm und den Kindern. Selbst wenn die Kinder in 3 Wochen Ferien nur Brot zu essen bekommen: er wird sie nicht verhungern lassen und was sie von 3 Wochen Brot essen halten, urteilen die Kinder selbst.

Macht’s in dem Falle einfach besser- so habt ihr einen passiven psychologischen Vorteil.

Macht auch hier aus Negativem Postitives draus und zieht aus Unbequemen im Leben euren eigenen egoitischen Vorteil!!!

Hört auf euch zu ärgern. IHR und eure Kinder sind wichtig. Ihr lebt jetzt euer Leben. Was der Ex macht oder nicht macht, ist seine Sache. Auch während der Umgangszeiten (ich nehme hier jetzt Härtfälle wo Gewalt ect eine Rolle spielt aus).

Er schaufelt sich eh sein eigenes Grab!

Kinder sind nicht dumm. Jetzt sind sie Kinder. Sie lieben ihre Eltern. IMMER! Beide! Aber Kinder werden erwachsen und betrachten die Eltern zunehmend kritisch. Und dann machen sie sich ihr eigenes Bild. Habt nur Geduld!

Und DAS ist wirklich eine der ersten grossen Herausforderungen ans Alleinerziehend sein.

das Unterdrücken des Mutterinstinktes!

Man muss das Kind los lassen, spätestens während der Umgangszeiten. Wenn der Ex nicht möchte, erfährt man auch wochenlang nicht wo die Kinder sich in Deutschland aufhalten oder wie es ihnen geht. Auch wenn sie vielleicht krank zum Vater hin gefahren sind.

Da lerne erstmal zu entspannen, alles anzunehmen und dabei konzentriert arbeiten zu gehen!

Da höre ich dann andere Mütter: “ Ja das könnte ich nicht ertragen.“

Das macht mich ein wenig grrrrrrrr………., weil mich hat auch niemand gefragt ob ich das kann.

Das Leben fragt nicht.

Das Leben stellt dir Herausforderungen und du musst gucken wie du damit klar kommst.

Und macht euch deutlich: wir leben nur einmal!

Und ich habe überhaupt gar keine Lebenszeit zu verschenken. Also muss ich schauen wie ich möglichst glücklich und zufrieden den Weg bis zum Ende gehe.

Die Vorteile beim Alleinerziehend sein erkennen, das ist eine Kunst glücklich zu sein.

Aber guckt hin….ihr könnt ein ganz tolles Team werden, wo einer für den anderen einsteht.

Die Kinder werden schneller gross, aber sie werden alle lebensfähig und selbstständig sein. Sie werden stolz auf ihre Mütter sein oder alleinerziehende Väter.

Ihr seid was Besonderes mit ganz besonderen einzigartigen Chancen im Zusammenleben mit euren Kindern.

 

 

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