Wem wir Frauen das verdanken, was wir dürfen- gesellschaftliche Evolution der Frau

 

Erschreckend finde ich ja die Tatsache, dass bis 1977 der Ehemann zustimmen musste, ob die Frau arbeiten darf . Er musste auch bei grösseren Anschaffungen zustimmen, z.B. Musikinstrumenten.
Das Arbeitsverhältnis konnte einfach vom Ehemann gekündigt werden.

Ich bin ’71 geboren!!!!

Seit 1962 erst dürfen wir ein eigenes Konto führen.

Es gab noch die Scheidung mit Schuldfrage.

Seit 1900 durften die Frauen offiziell studieren, zumindest in Baden. Freiburg und Heidelberg folgten, doch die Norm war das noch lange nicht.
Erst ab den 60ern begann es etwas mehr zu werden, aber wir wurden sehr verspottet.
1923 gab es die erste deutsch Professorin.

Bis 1950 bzw 56 galt noch das Lehrerinnenzölibatsgesetz, wir sollten uns dann ganz der Erziehung der Kinder widmen.
Heirateten Lehrerinnen dennoch, konnte sie das den Beruf oder die Altersvorsorge kosten.

Berufstätigkeit wurde sowieso nur bis zum Mutter werden und heiraten gesellschaftlich akzeptiert.

Florence Nightingale-die allererste Krankenschwester 1820-1910

Für Krankenschwestern galt bis nach dem 2. Weltkrieg, für Beamtinnen bis in die 50er, dass bei Eheschliessung der Arbeitsverlust droht.

Zu beachten ist, dass man viel früher heiratete, aber „erst“ mit 21 Volljährig wird.

Bei Operationen musste sowieso der Gatte zustimmen.

Lustigerweise hätten wir unsere Verlobten, die uns dann doch nicht heiraten, bei vorehelichem Sex zu Schadensersatz verklagen können. Und das bis 1998!!!!!

1908 durften Frauen Mitglied in politischen Parteien werden, vorher durften sie nur den Sitzungen beiwohnen. Unter der Voraussetzung, dass sie nur zuhören!!!! (Die hatten wohl schon früher Angst vor uns 😉 ).
Bis dahin galten wir als politisch unzurechnungsfähig.

1918 erhalten wir das Wahlrecht!!!

1919 kandidieren 300 Frauen für das deutsche Parlament. 37 Frauen werden gewählt, von insgesamt 423 Abgeordneten.

Marie Juchacz sprach als erste Frau im deutschen Parlament:

„Ich möchte hier feststellen, dass wir deutschen Frauen, dieser Regierung, nicht etwa Dank schuldig sind. Was diese Regierung getan hat, das war eine Selbstverständlichkeit: sie hat den Frauen gegeben, was ihnen bis dahin zu Unrecht vorenthalten wurde.“

1933 haben wir durch die Nazis das passive Wahlrecht verloren.

Die Nazionalsozialisten haben die Frauenbewegung erstmal zum Stillstand gebracht.

1937 wurde das Gesetz zur Beschränkung der Arbeit gelockert, dass die Nazis uns zu Arbeit in Munitionsfabriken verpflichten konnten.

Nicht zu vergessen, dass die Frauen nach dem Krieg Deutschland wieder aufgebaut haben. Die Männer waren ja tot oder in Gefangenschaft. Und dann haben wir uns wieder die Butter vom Brot nehmen lassen. Und tun bis heute manchmal so, als wenn wir ohne Männer nicht könnten. Wobei „dumm“stellen manchmal auch so seinen Vorteil hat.

1948 versammelte sich der parlamentarische Rat in Bonn um eine Verfassung zu verfassen. 65 Personen, davon 4 Frauen.
Elisabeth Selbert trug einen Vorschlag für einen Gleichberechtigungsartikel vor, doch sie stiess nur auf Widerstand. Auch bei den anderen 3 Frauen.
Schlimm, wenn wir uns nicht mal gegenseitig unterstützen, Fesseln zu lösen.
Frau Selbert gab aber zum Glück nicht auf und ging an die Öffentlichkeit:

1949 wird wieder die Gleichberechtigung von Mann und Frau im Grundgesetz verankert.
Endlich fängt  das Patriarch zu bröckeln an.

Was mir sagt, es lohnt zu kämpfen und es lohnt sich zu verbünden!!! Ohne diese Kämpfer in unserer Gesellschaft, wo stünden wir da politisch, gesellschaftlich, wirtschaftlich, fortschrittlich.

1958 tritt das erste Gleichberechtigungsgesetz des bürgerlichen Rechts in Kraft, sprich das Alleinentscheidungsrecht der Männer. Sie dürfen  weder den Arbeitsvertrag kündigen noch den Wohnsitz der Ehefrau bestimmen.

1961 ist Elisabeth Schwarzhaupt (CDU) die erste Frau in einer deutschen Bundesregierung.

1968 gilt der Tomatenschuss als Startschuss für die neue Frauenbewegung, sie machte auf die Benachteiligung der Frau in der Gesellschaft aufmerksam.

Aber auch jetzt tat sich noch nicht wirklich viel.

Trotzdem muss man sich vor Augen führen, dass die Selbstbestimmung der Frau begann als die Bildung für Frauen normal wurde und somit dann auch                                                                                    Berufstätigkeit.

Ab da wurden auch die Gattenmorde weniger. Was zeigt, man kommt nicht als Mörder zur Welt, auch äussere Umstände können dazu führen. Die Alternative, sich scheiden lassen zu können, ziehen dann viele doch vor. Vor allem, weil sie mit Beruf unabhängig sein konnten.

’68 wurde das Mutterschutzgesetz verabschiedet, was die Situation erwerbstätiger Mütter verbesserte.

’69 gab es erst eine Frau im baden-würtembergischem Landtag! so wurde der Landesfrauenrat gegründet.

1970 Gesetz über die Stellung nichtehelicher Kinder, Mutter erhält Sorgerecht und der Unterhaltsanspruch des Kindes wird verbessert.

1971 gab es dann die grosse Revolution. Selbst ich kann mich daran erinnern, obwohl ich ja erst ’71 geboren wurde. Aber das Thema war immer wieder viele Jahre in der Presse: die Zeitschrift „Stern“ zeigt Bilder Prominenter Frauen, die sich bekennen abgetrieben zu haben. Initiatorin war Alice Schwarzer. Die Diskussion um §218 entbrannte.

Feministin und Alice Schwarzer war lange in der Folgezeit negativ behaftet und für viele Männer ein rotes Tuch.

Die „neue“ Frauenbewegung beginnt.

1972 hatten wir die erste Bundestagspräsidentin, Annemarie Renger (SPD). Annemarie Griesinger wird erstes Regierungsmitglied in Ba-Wü (Ministerin für Arbeit, Gesundheit und Sozialordnung).

In Frankfurt findet der erste Frauenkongress statt, in Berlin das 1. Frauenzentrum, als unabhängige Anlaufstelle. Es entstehen Frauengruppen, -Zentren und- Projekte.

1975 ist internationales Jahr der Frau.

1977 Reform des Ehe- und Familienrechts:  die Hausfrauenehe wird abgeschafft (Verpflichtung der Frau zur Haushaltsführung und Kindererziehung) und es gilt neues Eherecht. Die Namen können individuell angenommen werden. Das Schuldprinzip bei Scheidung wird abgeschafft (schade, manchmal 😉 ). Versorgungsausgleich.

1978 das erste Frauenhaus in Reutlingen.

1980 Unterhaltsvorschussgesetz

1982 erste Frau als Gewerkschaftsvorsitzende

1984 die erste rein weibliche Fraktionsspitze bei den Grünen; führen ’86 eine Frauenquote innerparteilich ein.

1985 Teilzeitarbeit wird Vollzeitarbeit gleichgestellt

1986 Einführung von Erziehungsgeld und -Urlaub. Mütter, geb. ab 1921 erhalten für jedes Kind ein Versicherungsjahr in der gesetzlichen Rentenversicherung.

Rita Süssmuth (CDU) als erste Frauenministerin auf Bundesebene.

1990 erst die erste Oberbürgermeisterin in Ba-Wü.

1991 eigenes Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend wird autonom.

1993 wird Gewalt gegen Frauen als Menschenrechtsverletzung anerkannt.

1994 hat man angefangen die Defizite zwischen dem Grundrecht der Gleichstellung von Mann und Frau auch möglichst in die Praxis zu übertragen (Jutta Limbach,Präsidentin des Bundesverfassungsgerichtes).

Erst 1997 wurde Vergewaltigung in der Ehe unter Strafe gestellt.

2001 Frauenrechte erhalten UN Standard.

2005 wird unsere Angela Merkel erste Bundekanzlerin.

Und das Gesetz von Chancengleichheit von Mann und Frau im öffentlichen Dienst wird i Ba-Wü verabschiedte.

2006 wird das Antidiskriminierungsgesetz verabschiedet.

2016 das Chancengleichheitsgesetz schreibt Gemeinden ab 50.000 Einwohnern und Landkreisen das Einsetzen von kommunalen Gleichstellungsbeauftragten vor.

Und der Bundetag verabschiedet ein neues Sexualstrafrecht „nein heisst nein“.

Und die „Me too“ Welle entbrennt. Die sexuelle Belästigung im Beruf bekommt ein neues Gesicht: den Hollywoodregiseur “ Weinstein“.

Auch andere Pomis, älterer Jahrgänge, gehen an die Öffentlichkeit mit Tabuthemen wie Gewalt in der Ehe . Tina Tirner, Rhianna, etc., es wird endlich daüber gesprochen.

 

Ich kann nur sagen, ich bin allen Kämpferinnen sehr dankbar, für ihren Mut, ihre Energie und Motivation für eine Sache einzustehen, trotz Widerstand, um Missstände und Defizite aufzudecken.
Damit wir, jetzt, Bildung und Beruf und somit Selbstständigkeit und Unabhängigkeit besitzen. Uns nicht versklaven und bevormunden lassen müssen. Gewalt und Unterdrückung. Nicht, dass es das jetzt nicht auch noch gibt…. .

Wem das wohl mal einfiel, dass ein Mann der bessere Mensch ist. Ob das wohl mit der körperlichen Überlegenheit zusammenhängt oder mit Kain und Abel?? oder wer wusste, ob die überhaupt wirklich männlich waren?nehm ich’s als Metapher, ist es wohl eher geschlechtsneutral…….- schätze, das wird ein weiterer Artikel 😉

Danke liebe Revolutionärinnen, dass ihr euch nicht habt entmutigen lassen und weitergemacht habt.

Es hat sich gelohnt, und es lohnt sich immernoch für Dinge einzustehen, die kaum eine Lobbie haben und somit auch keine Fürsprecher. Aber es braucht Mut!

 

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