galerie Zugtraining für den Hund- wie lernt mein Hund das Ziehen [Trainingsplan]

Um dem Bewegungsdrang meines Hundes gerecht zu werden, habe ich ihm das Ziehen beigebracht.

Ich hatte zwar schon mit professionellem Zughundesport zu tun, aber hier möchte ich nun vom Ziehen für den Otto-Normal Hund und Hundehalter sprechen.

Ich erkläre euch hier Schritt für Schritt, Woche für Woche wie solch ein Training aussehen kann.

Da ich einfach nicht immer Lust auf Gassi gehen habe oder radeln oder joggen, aber meinem Hund doch entsprechende Kilometer am Tag gönnen möchte, habe ich mir die Mühe gemacht und ihm das Ziehen beigebracht.

Rückblickend muss ich sagen: nicht jeder Hund hat Lust darauf.

Das soll aber nicht heissen, dass man bei den erste Rückschritten die Flinte ins Korn werfen soll. Die meisten Hunde wissen NICHT was ziehen bedeutet und es braucht seine Zeit bis sie es verstehen und auch Spass daran finden. Training eben.

Unter verstehen meine ich, dass der Hund weiss, er hat bei jedem Aussenreiz das Gefährt hinter sich in angemessener Geschwindigkeit zu ziehen, sprich sich vor dem Zuggefährt zu befinden. Dabei weder zu schnuppern noch zu pinkeln etc.

Das Ziehen soll ein Job sein, der er für uns erledigt, seine Kilometer dabei läuft und hinterher glücklich und zufrieden ist, einen guten Job gemacht zu haben. Danach gibt’s Belohnung und Freizeit.

Ich empfehle, aber man kann es auch ganz anders machen, zuerst zu Fuss zu beginnen.

Ein passendes Geschirr ist Voraussetzung. Die Zugleine hinten dran sollte stabil sein. Eine Hauptleine darf niemals reissen!

Das Anziehen des Geschirrs muss angenehm für den Hund gestaltet werden und belohnt! Macht er hier schlechte Erfahrungen (beim An- oder Ausziehen) sind das keine guten Voraussetzungen.

Das Geschirr soll Freude, Vorfreude bedeuten auf Bewegung, Aktion mit seinem Menschen sein.

 

Hat er das Geschirr an und es sitzt angenehm, geht das Kommando „steh“ mit dem Start einher.

Führe den Hund an die „Startposition“, am Halsband, greife an Brust und Bauch mit dem Kommando „steh“. Wenn er das Kommando schon vorher kann: sehr vorteilhaft!

Während er möglichst stehen bleibt, bringe ich die Zugleine hinten auf leichten Zug. Dieser sollte jetzt auch nicht mehr nachgelassen werden. Der Hund soll Zug an seinem Geschirr spüren, an seinem Körper.

 

Fängt er an sich zu bewegen gebt ihr gleich das Startkommando „go“.

Die Anfangsschwierigkeiten sind eindeutig dem Hund verständlich zu machen VOR uns zu laufen mit Zug am Körper.

Er lernt zwischen Fuss gehen an der Leine und das Ziehen mit Geschirr und Zug am Körper zu unterscheiden.

Habt ihr schon ein Kommando für den Freilauf nach dem Fussgehen wie zum Beispiel: lauf! ist das sehr gut, das kann man gut mit einfliessen lassen.

Schafft ihr’s in den ersten 3-4 Tagen, dass er Hund ein paar Schritte vor euch läuft, NICHT loben, erstmal, lasst ihn ein paar Schritte tun. Zug auf der Leine nicht vergessen und niemals nachlassen!!!! Hat er aber ein paar wenige Schritte auch nur getan, bestenfalls in der höchsten Motivation, bei der schnellsten Gangart, während er gerade echt zieht (und nicht schnuppert oder irgendwas nachguckt) loben, loben, loben!!!!!Leckerchen!!!!

Gut wenn ihr das ein paar Mal wiederholen könnt.

Manche Hunde kann man ein wenig beim Vorwärtslaufen unterstützen indem man leicht die Rute hinten touchiert, die Haare reichen………- das ist aber nicht für jeden Hund was.

Andere Hunden tun sich leichter wenn sie vor sich eine Motivation haben, z.B. die Kinder auf den Inlinern o.ä. . Aer nicht zu häufig machen, sonst ist der Gewöhnungseffekt zu gross und er läuft nur wenn er vor sich Bewegung hat.

Mehr brauchen wir in den Tagen 1-3 bis 7 nicht.

Fängt er mal an zu galoppieren VOR euch ist Megaparty!!!!!

Anfänglich wirklich kurze Strecken, eigentlich nur einige Schritte. 5m, dann 10m, dann 20m usw. Bei der grössten Motivation das Training beenden, nicht erst wenn der Hund keine Lust mehr hat.

Als erstes Zuggefährt eigenen sich Rad oder Roller. Ich finde den Roller, Kinderroller am besten zum handeln….man wünschte sich mehr Hände am Anfang.
Diese Saccocarts sehen zwar toll aus, sind aber teuer und sind für den Hausgebrauch nicht unbedingt geeignet, wie ich finde.
Wenn aber jemand richtig Spass am Zughundetraining findet und 2 Hund hat, für den ist ein Saccocart sicher eine tolle Sache!!!!

Ich würde schätzen so in Woche 2 könnt ihr mit einem Gefährt anfangen, bei einem normal motiviertem Hund, bei täglichem Training 1-2x.

Spätestens in Woche 3 würde ich anfangen Runden zu fahren, das ist wichtig! Nicht nur Strecke, hin, rück oder so. Es sollten wirklich Runden sein. Ihr könnt anfangs immer unterbrechen für Lob und Belohnung. Optimal ist es nicht an den gleichen Stellen zu halten. Der Hund gewöhnt sich schnell und bleibt sonst automatisch stehen beim  nächsten Mal.

Ist die Runde fertig gefahren, sollte das dicke Leckerchen schon parat stehen!
Ist der Hund aber richtig ausgepowert, will er oft nur trinken zuerst.
Also frisches kaltes Wasser sollte immer gleich bereit stehen.

Optimal, ein grosser Bottich, inden er rein liegen oder stehen kann- viele lieben das.

Professionell gezogen: das heisst, die Hunde laufen Fullspeed, die ganze Zeit, wird nur bis 15°Celsius Aussentemperatur. Bei wärmeren Temperaturen wird nicht trainiert.

Bei meinem Amateurtraining überschreite ich diese Temperatur auch mal, da mein Hund auch trabt und doch sehr kräftesparend zieht. Ich beobachte ihn und überfordere ihn nicht. Vorsicht: Hund können schnell überhitzen.
Viele lieben es, sich nach dem ziehen in den kalten See zu schmeissen ;-).

Optimalerweise sollte der Hund eine halbe Stunde vor dem Ziehen gewässert werden (hinterher sowieso) und er sollte dies auch wieder vorher auspieseln.
Fleischreste kurz auskochen……die Fleischbrühe bringt die meisten Hunde „auf Komando“ zum Trinken. So könnt ihr einen guten Flüssigkeitshaushalt des Hundes gewährleisten.

Schnuppert der Hund unterwegs oder widmet sich anderen Dinge solltet ihr versuchen das mit einem Nein zu unterbinden und zu motivieren weiter zu laufen.

Immer Zug auf der Zug-Hauptleine!!!! Auch bergab, bzw. da unbedingt.

Es gibt den Spruch:

Bergab gewinnt man keine Rennen!!!

Das tut man bergauf!

Würde der Hund bergablaufen und ihr bremst eurer Gefährt zu wenig, so dass er mit lockerer Leine läuft, macht er sich die Gelenke und Knochen kaputt.
Stellt euch vor ihr rennt bergab, so schnell ihr könnt: äusserst unangenehm, gerade für die Knie. Würde euch jemand hinten halten, so dass ihr trotz Endgeschwindigkeit einen Halt hinten habt, ist das richtig angenehm.
Der Hund muss euch vertrauen, dass ihr die Leine niemals locker lasst oder gar von hinten in ihn rein fahrt!
Bergab solltet ihr sogar möglichst langsam ziehen lassen.
Bergauf könnt ihr Gas geben, da darf er laufen, so schnell er kann. Da brauchts dann nimmer zu bremsen, oft eher zum mithelfen. Wenn er zu schwer zieht, verliert er die Lust am Anfang.

Die Leckerchen sollten maximal abwechslungsreich sein: unterschiedliche Leckerchen, unterschiedliche Grösse und ein Jackpot sollte auch dabei sein.

Die Runden anfangs nicht so gross wählen. Ausweiten kann man diese immer.
Der Hund soll Spass am ziehen, an der Belohnung, an dem Job mit euch zusammen bekommen, an der wohligen Erschöpfung und der wohltuenden Abkühlung danach.

Beachtet dem Hund nur passives Lob zukommen zu lassen wenn er gerade optimal motiviert vor euch läuft. Seid passiv und sein Verhlten bestätigt sich selbst.
Lobt er, wird er sicher stehen bleiben und sein Leckerchen etc haben wollen.

Unbedingt komplett OHNE!!!! Aussenreiz beginnen.

Ich weiss, dass das fast unmöglich ist. Aber versucht maximal vieles auszuschalten. Trainiert dann, wenn keine anderen Hunde, Kinder etc unterwegs sind. Er soll sich möglichst auf euch, das Training, seinen neuen Job konzentrieren.

Läuft das Training rund, solltet ihr bestimmt das erste mal so nach einer Woche stolz sein, weil ihr Fortschritte merkt.
Man merkt, dass der Hund anfängt zu verstehen, dass er vor dem Gefährt, vor euch scheinbar erwünscht ist.
Nach 1-2 Wochen, eher 2, merkt ihr, dass er auch das „Steh“ vor dem ziehen besser umsetzt und auch beginnt sich zu freuen wenn er das Geschirr sieht.

Bei Woche 3-4, sollte er sich wirklich freuen beim Anblick des Geschirrs, aufgeregt sein und motiviert einen guten Job zu machen. Perfekt ist er aber noch lange nicht ;-). Aber tolle Fortschritte macht er und ihr findet mittlerweile auch mehr Spass durch die Gegend gezogen zu werden als, dass es Arbeit bedeutet, dem Hund die ersten Grundlagen zu erklären.

Wenn er soweit sicher ist, kann man anfangen den Aussenreiz zu steigern oder die Streckenlänge.

Bitte unbedingt!!!! nach jedem Zugtraining die Pfoten kontrollieren. Jeder Hund ist da unterschiedlich sensibel. Und das Ziehen hat eine andere Scherbelastung auf den Ballen als beim rumrennen.
Gerade Hunde mit Rosa Nasen/Ballen sind empfindlich. Es gibt tolle Schuhe mit gutem Sitz!

Die Belohnungen in der Runde kann man langsam reduzieren, bis nur noch der Jack Pot an Ende der Runde übrig bleibt.

Links und recht bringe ich ihm nebenbei, unterwegs, bei.
Man kann das natürlich auch mit Leckerchen „im Trockenen“ zuhause tun : ich sage „rechts“ und werfe das Leckerchen so, dass der Hund sich nach rechts wenden muss um das Leckerchen zu bekommen.

Für Kinder ist das natürlich ein Riesenspass mit Zughund in der Familie. Nicht nur zu Lande, sondern auch im Badesee……..

 

Wünsche euch allen viel Spass beim Training, gutes Gelingen, ein wenig Geduld muss sein und tolle Touren!!!!

 

Habt wirklich Geduld bis er die Grundlagen versteht, das dauert manchmal- kaum ein Hund macht das von Natur aus, wenn er sonst Fuss geht.

Ob er wirklich Spass und Talent hat, merkt ihr dann schon.

Manch einer hat ein Wettkampfzughund, der andere einen tollen Familienzughund, manch einer einen Wandertraber oder auch einen Spaziergänger.

Und wenn er so gar keinen Spass am Ziehen entwickelt, denn manchmal muss der Spass an einem Job oft erst erlernt und entdeckt werden, ist es auch nicht schlimm!!!!

Und ganz wichtig, nicht vergessen: nie auf Maximalgeschwindigkeit des Hundes trainieren!!! IMMER  leicht angebremst, fördert den Muskelaufbau, der Sport geht nicht auf seine Gelenke, Unfallrisiko ist minimiert.

Die Hunde, die eher traben als galoppieren, tun sich schwer, wenn man sie noch runter bremst, die müssen laufen- aber dennoch: immer auf Zug!!! die Zugleine.

Habt ihr 2 Hunde, bekommt jeder ein Geschirr. Am Halsband werden sie zusätzlich mit einer kurzen Neckline aneinander gebunden: so, dass nicht einer extrem recht, der andere extrem links laufen kann. Sie müssen sich aneinander orientieren.
Optimal funktioniert so ein Team aber nur mit Harmonie und gleichem Leistungsstand. Denn das Schwächste Glied in der Kette bestimmt die Stärke des Teams: dann müsst ihr euch immer nach dem Training des Schwächeren richten.

Habt ihr die Gelegenheit und euch bietet sich die Chance, euren Hund mit einem erfahrenen Team oder erfahrenem Zughund anzuspannen, nutzt sie!!! Die beste Gelegenheit eurem Hund das Ziehen beizubringen und schnell rauszufinden ob’s ihm überhaupt Spass macht. So lernen sie am aller schnellsten!!!

Achtung: bei Unfällen reicht normale Hunde Haftpflicht nicht aus: man braucht eine Gespannversicherung!

 

 

 

 

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